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Tornado Niesky
Mit Schlitten und zwei kurzen Schlägern auf dem Eis - Beim ELV Niesky kann Para-Eishockey gespielt werden
06.02.2018 - 07:41

Para-Eishockey zählt zur Königsklasse der Sportarten für behinderte  Menschen und ist damit auch in diesem Bereich mit Abstand die schnellste Mannschaftsportart der Welt.  Alles, wie Spielregeln, Eisfläche oder Ausrüstung entsprechen ganz dem regulären Eishockey. Nur: Anstatt Schlittschuhe benutzen die Spieler spezielle Schlitten. Zur Fortbewegung und zum Spiel dienen zwei kurze Schläger. An deren  Griff-Enden sind Spikes befestigt.  Para-Eishockey ist nicht nur eine Hobbysportart, sondern  auch olympisch. Im Februar 2016 wurde beim  Eislaufverein (ELV) Niesky die Sektion Para-Eishockey gegründet.  Der Vorsitzende heißt Robert Papst und kommt aus Görlitz.

 Das Winterhalbjahr über, jeden Mittwoch  zwischen 16 und 17 Uhr, kann man  im neu erbauten Nieskyer  Eisstadion am Waldbad  Robert Papst, meist  mit seinen Söhnen antreffen. Diesmal, bei meinem Besuch, war der 42jährigeGörlitzer  mit  Laurin, 10 Jahre und Leander, zwei Jahre  jünger, angereist. Lucius, der Älteste, hatte einen Termin in der Schule. „Meine drei Jungs sind natürlich auch Mitglieder im Verein.  Ich bin so froh, hier Eiszeit  und  durch den Verein jegliche Unterstützung zu bekommen. Vor allem  bei  Theo Schwabe“.  Der Cheftrainer des ELV winkt bescheiden ab. „Wir kennen uns schon aus meiner Zeit, als ich noch im Fuchsbau in Weißwasser aktiv  war.  Robert ist  trotz seines Handycaps (1993 musste sei rechtes  Bein  bis zum Knie amputiert werden _ d. A.) einfach  Klasse.  Er ist für uns eine Persönlichkeit. Wir unterstützen ihn und seine Anliegen jederzeit,  sehen das als eine wichtige soziale Aufgabe im Verein.“

Bei  den  Trainingseinheiten  auf dem Eis kann man  das immer wieder beobachten.  Links trainieren die Jungs der U14, rechts die Bambini. Und in der Mitte  Robert Papst im  Schlitten  mit seinen Jungs und immer mal mit einem der Tornado-Nachwuchsspieler.  Das Tempo, seine Finten  sind einfach Klasse. Ruck zuck ist er vor dem linken Tor und knallt den Puck in die Ecke. Zwischendurch kümmert er sich  um Sandro Gratzke,  legt ihn die Ausrüstung an,  übt mit ihm immer wieder das Einsteigen in den Schlitten. Der 23jährige Görlitzer,  zurzeit leistet er  ein Bundes-Freiwilligen-Dienstjahr im  Martinshof  in Rothenburg,  ist zum ersten Mal im Eisstadion. Ihm fällt das Sprechen schwer. Er lernte kurz vor Weihnachten auf der Kunsteisbahn am Görlitzer Obermarkt Laurin und Lucius kennen. Die überredeten ihn, mal mit ihrem Vater mit nach Niesky  ins Eisstadion zu kommen.

 Gesagt, getan.  Die  erste Stunde war nicht ganz einfach, die zweite nach einer Woche  schon besser, die dritte richtig gut.  Dazu Robert Papst: „Sandro zeigt viel Willen, hat jetzt  richtig Spaß. Jeder kann das lernen. Aber das wichtigste ist,  du  musst dranbleiben. Ein junger Behinderter aus der Gegend um Weißwasser war mal da, kam nicht wieder. Er vergibt damit eine große Chance.“ 

Robert Papst muss das wissen.  Er arbeitete sich kontinuierlich hoch auf dem Eis. Seit  1998 spielt er mit Leib und Seele in der deutschen Para-Nationalmannschaft und  in verschiedenen Para-Teams.  Da kommt der Görlitzer  in der Welt herum. Seine größten Erfolge waren  Platz 4  bei den Paralympics in Turin und 2013 in Nagano (Japan) der Aufstieg  von der B- in die A-Weltmeisterschaft.  Am meisten aber ärgert sich  der 42Jährige  noch heute über den Abstieg im vorigen Jahr bei der  A-Weltmeistersschaft in Korea. „Der siebente Platz reichte nicht zur Teilnahme an den paralympischen Spielen  2018 im südkoreanischen Pyeongchang. Wie so oft verloren wir  das entscheidende Spiel  wieder mal  mehr als knapp gegen die Schweden.  Für mich war das schon eine Enttäuschung.“

Deshalb aber gibt Robert Papst nicht auf. Nach wie vor spielt er im nahen Tschechien beim HC Olomouc und nutzt seine Erfahrungen auch als Trainer mit C-Lizenz, um vor allem in den deutschen Landen Para- Eishockey wieder verstärkt vor allem unter jüngeren Behinderten  populär zu machen. „Etwa 200  Aktive waren vor Jahren noch dabei, heute sind  es keine 50 mehr.  Das macht sich natürlich im bundesweiten Spielbetrieb bemerkbar. Die Nationalmannschaft hat ein Durchschnittsalter von über 40 Jahren“,  zieht  Robert Papst, auch selbst schon „im besten Alter“, eine ernüchternde Bilanz. „So  kann das nicht weiter gehen. Dabei sind  die Bedingungen in Deutschland sehr günstig. Leider sind  viele der behinderten Jungs  einfach  zu bequem, zu uns zu kommen.“  Geld  für den Fachbereich Para-Eishockey im Behindertensport  ist  da. Dafür sorgen etliche Sponsoren aus der Wirtschaft, Gönner und Privatpersonen.

Acht deutsche Eissport- Vereine haben sich diesen Sport zur Aufgabe gemacht. So auch  der ELV Niesky.  Dazu Präsident Jörn  Dünzel: „Gerade der Sport, so auch Para-Eishockey, ist für  Behinderte immer ein Erfolgserlebnis und stärkt das Selbstwertgefühl. Mit unserem neuen Eisstadion haben wir dafür ideale Bedingungen und werden diese neue Disziplin in den nächsten zwei Jahren entwickeln. Noch in dieser Saison  wollen  wir während einem Tornado-Heimspiel  in einer Drittelpause eine kurze Einlage organisieren und damit Werbung für das Para-Eishockey machen.  Die Zuschauer werden sicher begeistert und beeindruckt sein.“

Und auch das sollte in den nächsten zwei Jahren greifen:  Auf Anfrage im Martinshof Rothenburg um Unterstützung der Sektion Para-Eishockey  beim ELV bekam der Autor dieser Zeilen von einem leitenden Mitarbeiter der Einrichtung diese Antwort: „Wir sagen dazu grundsätzlich Ja. Näheres werden Sie noch erfahren.“ Dass der Martinshof schon Fuß auf dem Nieskyer Eis gefasst hat,  das zeigt  Sandro Gratzke. (U. Martin)   

Kontakte: kontakt@eislaufverein-niesky.de, Robert Papst, Tel. 0172 340 59 85